Ausstellung

NATALIYA ZUBAN. Condition of Suspended Present

9.9.2026—14.11.2026, 19:00

Kuratiert von Zasha Colah

Eröffnung 9.9.2026, 19 Uhr

Das Begehen von Nataliya Zubans Prozess-Ausstellung, in der die Zeit gehemmt wird und die Werke sich selbst zerstören und auslöschen, bietet zugleich eine intensive Hörerfahrung. Die Künstlerin wurde 1992 in Opischnja in der Ukraine geboren – einer Region, die über tonreiche Böden verfügt und eine über Generationen gepflegte materielle Tradition erzählerischer Skulpturen hervorgebracht hat. In den von ihr konstruierten Maschinen bringt Zuban den Klang des gegenwärtigen Wartens und des Zufluchtsuchens ebenso zum Ausdruck wie den des Vermittelns und den schrillen Unterton der Erwartung.

Ein sich selbst zerstörender Wald aus Keramikskulpturen verdichtet sich allmählich und zerbricht dabei die keramischen Spindeln, die im Verlauf von drei Monaten zu Boden stürzen. Die Sekundenzeiger von elf Uhrenskulpturen ticken laut, doch ihr Fortschreiten wird von steinartigen Keramikformen gehemmt. Die Bruchstücke der Skulpturen werden anschließend in eine bedrohliche, dröhnende, zerkleinernde Maschine geworfen, die sie zu Sand zermahlt – laut und ohrenbetäubend verschlingt sie das gesamte Volumen von Luft und Raum, verschlingt die Gegenwart.

Wenn die hier präsentierten Werke zusammengenommen eine künstlerische Abhandlung über Gewalt ergeben, dann beschreibt diese nicht nur, was mit den Keramiken, den urbanen Räumen und den Landschaften geschieht, die zermalmt und pulverisiert werden; sie führt zudem in eindringlicher Weise vor Augen, wie die Zahnräder, die Druck ausüben, ihrerseits zu haken beginnen und sich im Laufe der Ausstellung selbst zerstören.

Die von der Ar/Ge Kunst herausgegebene Publikationsreihe Novellas ist dem experimentellen zeitgenössischen Schreiben gewidmet. In der Ausgabe Nr. 15 ist neben der Fotoserie An Evening in Kyiv von Yevgenia Belorusets ebenfalls die fiktionale Erzählung Tender-Faced Friend abgedruckt. Während Erstere helle Abendstunden in einer Runde von Freund*innen einfängt, die über Krieg und geschlossene Grenzen, über das Weggehen und Freiheit diskutieren, lässt Letztere die Zerstörung von Sprache, von Zeug*innenschaft und der Möglichkeit des Sprechens selbst hervortreten.

* Nataliya Zuban erwarb einen BFA und einen MFA in Keramik an der Lviv National Academy of Arts (2013–2015) und wurde an der Eugeniusz Geppert Academy of Art and Design in Breslau promoviert (2018–2021). Sie lebt und arbeitet zwischen der Ukraine und den Niederlanden. Ihre künstlerische Praxis hat sich über verschiedene internationale Residenzen weiterentwickelt, so etwa an der Academy of Ceramics Gmunden (Gmunden, 2026), der Rijksakademie van beeldende kunsten (Amsterdam, 2023–2025), dem EKWC, der Casa Wabi, dem Clayarch Gimhae Museum, dem Senter for keramisk kunst und dem IASPIS (Göteborg, 2026). Ihre Werke befinden sich u. a. in den Sammlungen des Ariana Museums, des Keramikmuseums Westerwald, des FLICAM, des Centre of Polish Sculpture in Orońsko und des National Museum of Ukrainian Pottery.

* Die neuen keramischen Arbeiten von Nataliya Zuban entstanden im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms von ASoP Europe (Artists’ Solidarity Program), das von der OÖ Landes-Kultur GmbH in Zusammenarbeit mit der Academy of Ceramics Gmunden durchgeführt und vom Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich unterstützt wird.

* Die Künstlerin und Schriftstellerin Yevgenia Belorusets lebt und arbeitet zwischen Kiew und Berlin. Ihr Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Literatur, bildender Kunst und dokumentarischer Praxis und richtet sich oftmals auf besonders vulnerable Gruppen der ukrainischen Gesellschaft, wie etwa auf queere Familien, Roma-Gemeinschaften, Minenarbeiter*innen und in Kriegsgebieten lebende Menschen. Mit ihren Arbeiten war sie unter anderem im ukrainischen Pavillon auf der 56. und 59. Biennale von Venedig vertreten. Zudem wurde Yevgenia Belorusets im Jahr 2020 mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt (HKW), 2022 mit dem Sonderpreis für künstlerische Forschung der Schering-Stiftung und 2025 mit dem Alice Salomon Poetik Preis ausgezeichnet. Seit dem 24. Februar 2022 dokumentiert sie die russische Vollinvasion in der Ukraine.

Unterstützt von: Academy of Ceramics Gmunden, Gmundner Keramik, OÖ Landes-Kultur GmbH, Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten der Republik Österreich.